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Das Hyper-IgE-Syndrom (HIES) ist ein seltener Immundefekt. Die erste Beschreibung einer Patientin mit einem Hyper-IgE-Syndrom datiert von 1966, wobei sich die erste Erwähnung des Syndroms schon in der Bibel findet (Hiob 2.7). Weltweit sind bis jetzt ca. 250 Patienten mit dieser Erkrankung beschrieben.
HIES ist charakterisiert durch typische Befunde:
HIES ist eine Erkrankung, die verschiedene Körpersysteme betrifft. Neben dem Immunsystem ist auch das Skelettsystem und das Bindegewebe betroffen: die Patienten haben häufig ein charakteristisches Gesicht mit vergröberten Gesichtszügen, grobporiger Gesichtshaut, einer breiten Nase, weit auseinander liegenden Augen sowie Gesichtsasymmetrien. Diese Auffälligkeiten steigern sich mit zunehmendem Alter. Sie erleiden häufig Knochenbrüche ohne klar ersichtlichen Grund und leiden an einer Verkrümmung der Wirbelsäule sowie einer Überstreckbarkeit der Gelenke. In der Zahnentwicklung ist auffällig, dass die Milchzähne nicht rechtzeitig ausfallen und somit die verbleibenden Zähne entweder gar nicht hervorkommen oder eine zweite Zahnreihe hinter den Milchzähnen bilden. Erwachsene Patienten haben ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Aneurysma (Aussackungen) der Herzkranzgefässe. Bei HIES- Patienten wurde auch über maligne, d.h. bösartige, Tumore, insbesondere der Lymphdrüsen, berichtet.
Die Diagnose wird aufgrund der Krankheitssymptome gestellt. Es wurde ein Scoring-Symstem entwickelt, um abschätzen zu können, ob die Erkrankung vorliegt oder nicht. Dafür wurden die oben beschriebenen Symptome, die mit HIES assoziiert sind, bewertet. Für jedes klinische Symptom oder jede Laboruntersuchung wurde eine Punkte-Skala entwickelt. Je typischer ein Symptom zu werten ist, desto mehr Punkte erhält es. Bei einer Punktzahl über 40 ist ein HIES sehr wahrscheinlich, bei einer Punktzahl zwischen 20 und 40 besteht der Verdacht auf ein HIES, unter 20 Punkten ist ein HIES unwahrscheinlich.
Das HIES kann sporadisch auftreten oder es kann vererbt sein und zwar nach heutigem Wissen autosomal dominant oder autosomal rezessiv. Im Jahr 2006 konnte molekulargenetisch bei einem Patienten mit Hyper-IgE-Syndrom eine Veränderung auf dem TYK2 Gen nachgewiesen werden. Aktuelle Untersuchungen zeigen 2007 dass auch Mutationen im STAT3-Gen HIES verursachen können.
Eine Heilung der Erkrankung ist bisher nicht möglich. Somit steht die symptomatische Behandlung im Vordergrund: die intensive Therapie der Hauterkrankung sowie eine antibiotische Prophylaxe und spezifische Therapie bei Infektionen sind die therapeutischen Hauptpfeiler bei HIES. Da die Hauterkrankung weitgehend durch Infektionen mit Staphylokokken kompliziert wird, ist eine antibiotische Behandlung dieses Erregers oft ein Teil der Ekzembehandlung. Eine Antibiotika-Dauerprophylaxe wurde bei HIES-Patienten bisher nicht in Studien untersucht. Es besteht jedoch international ein Konsens über den Nutzen einer niedrig dosierten Dauertherapie mit einem staphylokokken-wirksamen Antibiotikum. Beim Auftreten von tiefen Hautabszessen ist meist eine chirurgische Intervention erforderlich. Da eine typische Komplikation der Lungenentzündung bei HIES-Patienten die Bildung von Lungenzysten und Bronchiektasen ist und sich dort gerne Pilze und andere gefährliche Keime ansiedeln (z.B. Aspergillus fumigatus, Pseudomonas aeruginosa) wird in einigen Fällen zusätzlich eine Prophylaxe mit einem Mittel gegen Pilze empfohlen. Da diese Infektionen bei HIES häufig klinisch stumm verlaufen, d.h. ohne hohes Fieber, Entzündungszeichen im Blut oder starker Husten, ist es besonders wichtig, bereits bei geringen Krankheitszeichen einen Arzt aufzusuchen, eine Bildgebung (HR-CT) ist dann indiziert. Ebenso sollte bei älteren Patienten mit HIES an die Möglichkeit von Herzkranzgefässaneurysmen gedacht und entsprechende kardiologische Untersuchungen (Herzultraschall sowie allenfalls Herzkatether) durchgeführt werden. Es wurden zusätzlich schon mehrere immunmodulatorische Substanzen (Medikamente die das Immunsystem beeinflussen) zur Therapie des HIES ausprobiert, wobei bisher keine klaren klinischen Erfolge gezeigt werden konnten. |
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