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Jeder Mensch muss sich täglich mit verschiedensten Krankheitserregern auseinandersetzen, dazu benötigt er sein Immunsystem. Das Immunsystem kann grob in einen unspezifischen (angeborenen) und einen spezifischen (erworbenen) Teil gegliedert werden. Die Bestandteile des angeborenen Teil des Immunsystems sind von Geburt an vorhanden und voll funktionsfähig. Man unterscheidet innerhalb dieses Systems zwischen den Zellen (= zelluläres, angeborenes Immunsystem) und löslichen Botenstoffen (= humorales, angeborenes Immunsystem). Zum unspezifischen Immunsystem zählen die Haut, die Schleimhäute sowie das Komplementsystem und verschiedene Botenstoffe, sowie die unterschiedlichen Fresszellen: Granulozyten, Monozyten, Makrophagen. Ein erster unspezifischer Abwehrvorgang ist die Entzündungsreaktion: Die Abwehrzellen werde durch ein Zusammenspiel von Zellen und Botenstoffen an den Ort des Geschehens gerufen. Durch Freisetzung von Botenstoffen aus den Abwehrzellen werden Blutgefässe erweitert und ihre Durchlässigkeit erhöht; so können Fresszellen leichter in das Gewebe einwandern und dort Keime aufnehmen und abtöten (siehe Bild 1). Das erworbene Immunsystem fehlt zum Zeitpunkt der Geburt. Das so genannte "Gedächtnis" oder die "Immunität" entwickelt sich erst nach der Geburt des Kindes, weshalb Kinder in den ersten Lebensjahren noch häufiger Infektionen haben als später im Leben. Immunität heisst, dass man nur einmal an einem bestimmten Erreger erkrankt. Kommt man ein zweites Mal mit einem solchen Erreger in Kontakt, wird durch die Gedächtnisfunktion des Immunsystems dieser Erreger sofort erkannt und unschädlich gemacht (siehe Bild 2 und 3). Die Zellen des erworbenen Immunsystems heißen T-Zellen und B-Zellen und gehören zu den weißen Blutkörperchen. Die T-Zellen können Krankheitserreger direkt selbst abtöten. Die abgetöteten Erreger werden dann von Fresszellen aufgefressen werden. Die T-Zellen steuern aber auch die Funktion der anderen Zellen des Immunsystems, also z.B. der Fresszellen oder der B-Zellen. In Zusammenarbeit von B- und T-Zellen werden von den B-Zellen spezifische Abwehrstoffe (Immunglobuline) speziell gegen den einzelnen Krankheitserreger produziert (siehe Bild 2). Diese Abwehrstoffe sind Eiweiße, die in ihrer Form einem Y oder einer Gabel ähneln. Sie können Mikroben erkennen, die an das Gabelende des Y angeheftet werden. Der untere Teil des Y wird von unterschiedlichen Zellen des Immunsystems gebunden, die dadurch die Mikroben als schädliche Krankheitserreger erkennen. Abwehrstoffe werden also wie kleine Fahnen zur Markierung von Krankheitserregern eingesetzt (siehe Bild 3).
Die B-Zellen sind spezialisierte Abwehrzellen, die Immunglobuline (Ig) produzieren. Die B-Zellen werden im Knochenmark gebildet und wandern später in verschiedene Organe des Immunsystems aus (Lymphknoten, Milz, lymphatisches Gewebe des Magen-Darmtraktes). Die B-Zellen werden von Krankheitserregern stimuliert und wandeln sich dann in so genannte Plasmazellen um, die dann spezifische Immunglobuline zur Abwehr der einzelnen Krankheitserreger produzieren. Manche dieser Plasmazellen werden zu B-Gedächtniszellen, die das immunologische Gedächtnis bilden und bei erneutem Kontakt mit dem gleichen Krankheitserreger sofort in grosser Menge spezifische Immunglobuline produzieren können. Die Immunglobuline können im Blut, auf den Schleimhäuten und in verschiedenen Körpersekreten wie Speichel nachgewiesen werden. Es gibt fünf verschiedene Arten von Immunglobulinen (IgG, IgA, IgM, IgD,). Sie spielen eine wichtige Rolle in der Abwehr von Viren (IgM, IgA und IgG) sowie bei der Abwehr von Wurmerkrankungen und bei der Ausbildung von allergischen Erkrankungen (IgE): IgG: Das IgG wird in verschiedene Untergruppen eingeteilt (IgG1, IgG2, IgG3, IgG4). Das IgG hat den grössten Anteil an den gesamten Immunglobulinen. Es wird unter anderem von der Mutter an das ungeborene Kind weitergegeben. Dadurch ist das Neugeborene in der ersten Lebensperiode, wo es noch eine unzureichende eigene Produktion an Immunglobulinen zeigt, gegen die Erreger geschützt, denen die Mutter bereits ausgesetzt war (siehe Grafik). IgA: Das IgA findet man vor allem in den Körpersekreten wie Speichel und Verdauungssäften. Es wird von den Schleimhäuten gebildet. Es wird unter anderem von der Mutter über die Muttermilch an das Neugeborene weitergegeben. So ist dessen Magen-Darmtrakt gegen verschiedene Erreger geschützt. IgM: Das IgM ist das grösste Immunglobulin und wird bei Kontakt mit Erregern als erstes gebildet. Es kann der frühen Diagnose von Infektionskrankheiten dienen. Ein hoher Wert an IgM wird bei Patienten mit einem bestimmten Immundefekt (Hyper-IgM-Syndrom) gefunden. IgE: Das IgE findet man vor allem in hohen Konzentrationen bei Patienten mit allergischen Erkrankungen sowie bei Patienten mit Infektionen wie Wurmerkrankungen. Es gibt einen Immundefekt, bei dem aus noch unbekanntem Grund eine sehr hohe Konzentration an IgE gefunden wird (Hyper-IgE-Syndrom). IgD: Die Funktion dieses Immunglobulins ist bisher unbekannt. Ein hoher Wert an IgD wird bei Patienten mit einem bestimmten periodischen Fiebersyndrom, dem Hyper-IgD-Syndrom gefunden.
Die T-Zellen dienen der direkten Abwehr von Viren und helfen den B-Zellen bei der Immunglobulin Produktion. Sie werden im Knochenmark gebildet und wandern danach in den Thymus, um dort auf ihre Aufgabe als Abwehrzellen vorbereitet zu werden. Sie lernen hier, körperfremde von körpereigenen Strukturen zu unterscheiden. Die unreifen T-Zellen entwickeln nach Kontakt mit einer bestimmten Struktur, zum Beispiel nach Kontakt mit einem Stück eines Bakteriums (Antigen), das ihnen von den Antigen-präsentierenden Zellen gezeigt wird, einen nur für diese spezielle Struktur passenden Rezeptor. Dies ist eine Proteinstruktur auf der Zelloberfläche, die wie ein bestimmtes Schloss nur zu diesem bestimmten „Antigen-Schlüssel“ passt. So entstehen im Laufe der Kindheit bis zum Erwachsenenalter über 100 Milliarden T-Zellen mit über 100 Millionen spezifischen Rezeptoren und der Körper wappnet sich nach und nach gegen alle möglichen Krankheitserreger. Die reifen T-Zellen wandern dann selbstständig über die Blut- und Lymphgefässe durch den Körper, um mit möglichst vielen Krankheitserregern in Berührung zu kommen. Die T-Zellen werden in drei Gruppen eingeteilt:
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